BerthavonSuttner

Der Dithmarscher Pastor und Schriftsteller Gustav Frenssen (1863-1945), feierte im Kaiserreich als Vertreter der „Heimatkunst“ literarische Erfolge („Jörn Uhl“ (1901)) und zählte 1912 zu den aussichtsreichsten Kandidaten für den Literaturnobelpreis. Schon früh sind in seinen Aufzeichnungen jedoch radikale Ideen der Eugenik und Euthanasie festzustellen, die er ab Mitte der 1920er Jahre öffentlich kundtat („Möwen und Mäuse“ (1927)). Im Nationalsozialismus als „Vorkämpfer“ gefeiert biederte sich Frenssen den Machthabern an, vergötterte Adolf Hitler und rechtfertigte Krieg und Massenmorde. Im März und April 2014 beschlossen die Städte Heide und Brunsbüttel die Umbenennung der nach Gustav Frenssen benannten Straßen. Dieser Blog dokumentiert und kommentiert Frenssens menschenverachtendes Gedankengut und die öffentliche Diskussion über seine Person.

(Bild rechts: Gustav Frenssen - Quelle: Bundesarchiv, Bild 183-S42619 über wikipedia.de)

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Donnerstag, 23. Januar 2014

"Russenstraße" - DLZ druckt "bösen Scherz" unter falschem Namen ab

Mancher Leser der "Dithmarscher Landeszeitung" wird sich schon bei der Ausgabe vom 21. Januar gewundert haben wie das passieren konnte: Die DLZ hatte zu einer Leserumfrage aufgerufen und darum gebeten, Namensvorschläge im Falle einer Umbenennung der Heider "Gustav-Frenssen-Straße" abzugeben, die wegen der nationalsozialistischen Propaganda des Dithmarscher Schriftstellers seit Wochen in der öffentlichen Kritik steht. Möglich war dies in einem Online-Forum, per Mail und auch per Post. Einen entsprechenden Coupon hierfür zum ausschneiden druckte die Zeitung ab.

In ihrer Ausgabe vom 21. Januar wurde verkündet, dass es "knapp 100 Einsendungen" gegeben habe. 20 von Ihnen druckte sie samt evtl. abgegebener Begründung mit Namen und Wohnort des Absenders ab. Darunter waren auch solche, die sich für eine Beibehaltung des Namens aussprachen. Einer, der von einer Anwohnerin der Gustav-Frenssen-Straße stammen sollte, hatte folgenden Inhalt:
"Gustav-Frenssen-Straße: Der Name soll so bleiben wie er ist. Oder Russenstraße. Hier wohnen fast nur noch Russen."
Man fragt sich nun schon einmal, warum unter den Vorschlägen und Begründungen auch diese zum Abdruck ausgewählt wurde, die latente Vorbehalte gegenüber den u. a. in der Straße lebenden Spätaussiedlern pflegt, die mit der verbalen Stigmatisierung "Russen" belegt werden. Hier allein ließ die DLZ bereits die entsprechende Sensibilität vermissen, indem öffentlich eine Gruppe von Menschen wegen ihrer Herkunft mit einer abwertend gemeinten Bezeichnung stigmatisiert wurde. Die Geschichte bekam aber nochmal eine Wende, als am Folgetag (22. Januar) eine Erklärung in eigener Sache abgegeben werden mußte: 
"Falscher Name angegeben 
Heide (ch) Da hat sich jemand einen bösen Scherz erlaubt: Unter dem Namen und der Anschrift von ...* antwortete ein Unbekannter auf unsere Leser-Umfrage zur Gustav-Frenssen-Straße. "Mir wurde etwas in den Mund gelegt, was ich niemals sagen würde", ärgert sich ....*"
*Vor- und Zuname im Original angegeben.
Kein Wort dazu, dass man besser von vornherein darauf verzichtet hätte. Diese wenig rühmliche Episode reiht sich ein in die Veröffentlichung zweier Leserbriefe im Dezember 2013, die mit antisemitischen Klischee und der Verharmlosung von Rassismus und Euthanasie (Kranken- und Behindertenmorde) aufwarteten.
Der Abdruck des "Russen"-Vorschlages erweitert jedenfalls das Bild, dass so manche Verteidiger von Gustav Frenssen oft nicht nur Liebhaber seiner frühen literarischen Produktion, sondern auch seiner späteren politischen Ansichten sind. So erhielt ich im Zusammenhang mit einer im März/April 2013 durchgeführten Anwohnerumfrage auch folgendermaßen beschriftete Rückantwortkarte:

"Für die Kanaken!! Kanakenstrasse Klein Russland"
  
Es würde mich nicht wundern, wenn der Absender der Karte derselbe ist, der jetzt die Dreistigkeit besaß, betrügerischerweise die Namen seiner Nachbarn zur Verbreitung seiner Gesinnung zu mißbrauchen - Schade, dass er hiermit Erfolg hatte.

Mittwoch, 15. Januar 2014

„… die Bücher der Brüder Mann und ihres Judengefolges“ - literarischer Rassismus bei Gustav Frenssen

Die Brüder Heinrich und Thomas Mann nehmen ab Ende der 1920er Jahre in den Schriften Gustav Frenssens die Rolle von Antipoden seines „germanischen“ Werkes ein. Für Frenssen sind sie Symbolfiguren einer „jüdisch-romanischen Herrschaft“ auf kulturellem, wie auf allen anderen Gebieten der deutschen Gesellschaft, die sich nach der Niederlage im 1. Weltkrieg etabliert habe. Die Ehrung Thomas Manns mit dem Nobelpreis sei Teil einer Verschwörung der europaweit agierenden „jüdischen Presse“, durch welche Autoren „germanischer Art“ unterdrückt würden. Für Frenssen war dies eine willkommene Erklärung der sinkenden Absatzzahlen seiner Bücher, die ihm auch sein Verleger Müller-Grote in Briefen „bestätigte“.
Der Literaturnobelpreis an Thomas Mann im Jahre 1929 wird in Frenssens Veröffentlichungen bis zu seinem Lebensende 1945 zu einer letzten Bestätigung seines rassistisch-antisemitischen Weltbildes. Auch seine persönliche Verletzung, wie er sie im entsprechenden Kapitel des „Lebensbericht“ nur schwer verbergen kann, wird zur Grundlage einer kühlen und ausnahmslosen Rechtfertigung der nationalsozialistischen Gleichschaltung und Diktatur, der Verfolgung und Vertreibung der Juden und Andersdenkender als gerechte Wege zur Beseitigung „widerdeutscher“ Einflüsse, bis hin zum Massenmord.

Eine von Frenssen auf das Jahr 1931 datierte Notiz in seinem 1938 erschienenen dritten Band der „Grübeleien“ (Vorland) lässt bereits jenen Affekt erkennen. Hier wird die antisemitische Vorstellungswelt einer „jüdischen Weltverschwörung“, die die Verleihung des Literaturnobelpreis kontrolliert, deutlich, denn Frenssen zitiert Sinclair Lewis, der den Preis 1930 erhielt:
„Man muß den Juden klaren Beweis liefern, daß man ihr Freund ist. In seinem „Sam Dods- / worthy“ nennt er [= Sinclair Lewis] also, als die vier großen deutschen Zeitgenossen, drei Juden, dazu Thomas Mann, der, da er sein Kunstgefühl von seiner Mutter hat, die eine Romanin gewesen war, in deutscher Sprache romanische Kunst schafft und den Juden darum besonders nahe steht. […] Im germanischen Volk von siebzig Millionen sind lauter Nichtdeutsche, Fremde, die einzigen großen Namen!! So muß man es machen! Nun ist er, kraft der jüdische Presse, die Europa beherrscht, von Wien bis Stockholm der größte amerikanische Schriftsteller.“ (S. 192-193)
Das Motiv einer jüdisch(-romanischen) Verschwörungslegende im Kulturbetrieb ist der Weg auf dem Frenssen bis zum Ende seines Lebens bleiben wird. Dass der „jüdische Einfluss“ eine europäische Dimension habe und auch andere Völker (Schweden) betreffe, führt er wenig später, in „Recht oder Unrecht - Mein Land!“ (1940), nochmals aus. Nachdem er die Verfolgung und Vertreibung vieler jüdischer Mitbürger, „die einmal Gäste waren in Germanien“, zuvor als „göttliche Gerechtigkeit“ bezeichnet hatte, schreibt er:
„Die städtische Masse in diesen vier Völkern [gemeint sind die Schweiz, Holland, Norwegen und Schweden] [hatte] sich von Deutschland abgewandt […] und damit auch vom germanischen Wesen. Wohin? Wohin wandte sie sich? Nach Juda, nach Juda! Zu dem vaterlandlosen und heimatlosen, fremdblütigen, fernen, fernen Volk! Ah, diese feine, spielende (mit allem spielende), schillernde, jüdische Kunst! In ihren Buchläden stehn immer, noch heute, nachdem doch Klarheit geschaffen, als deutsche Kunst … als deutsche Kunst! … die Bücher der Brüder Mann und die Bücher ihres Judengefolges. Die Brüder Mann haben Geist und Seele nicht von ihrem germanischen Vater, sondern von ihrer spanischen Mutter, und sind dem deutschen Wesen fremd und fern. Jedes der großen Menschenworte: Frömmigkeit, Freiheit, Gerechtigkeit, Sitte, Bildung bedeutet allen diesen anderes als uns Germanen. Es sind fremde Menschen; sie haben mit / germanischem Wesen nichts mehr zu tun, als daß sie einmal Gäste waren in Germanien und sich germanischer Sprache bedienten.“ (Seite 45-46).
Mit der „Klarheit“, die geschaffen worden sei, bezieht sich Frenssen auf die Bücherverbrennungen (Berlin, 10. Mai 1933, „Wider den undeutschen Geist!“), bzw. andere nationalsozialistische Maßnahmen wie Berufsverbote für jüdische Akademiker, den Ausschluß Heinrich Manns und anderer aus der Preußischen Akademie der Künste (1933), die Aberkennung der Ehrendoktorwürde von Thomas Mann und dessen Ausbürgerung (1936).
Gustav Frenssen gibt keine konkrete Beschreibung davon, wie „germanische“, „romanische“ oder „jüdische“ Kunst in der Literatur aussähe. Eben jenes hatte Frenssens Dithmarscher Zeitgenosse und ehemaliger Mitschüler Adolf Bartels (1862-1945) schon im Kaiserreich versucht festzustellen. Dieser gab in seiner 1901 veröffentlichten "Geschichte der deutschen Literatur", die bis 1941 immer wieder ergänzt wurde und in insgesamt 17 Auflagen erschien, unter anderem so „wissenschaftliche“ Urteile ab wie: „Ein echter jüdischer Frechling“ (über Kurt Tucholsky) oder „riesig sind […] Eitelkeit und Unverfrorenheit“ (über Heinrich Heine).
Dass Frenssen nicht umhin kann doch einzuräumen, dass der „Halb-Spanier“ Thomas Mann, den man eigentlich höchstens einen „Viertel-Portugiesen“ hätte nennen können, doch „so viel ein deutscher Geist romanische Art und Kunst mitempfinden kann, ein starker Künstler“ sei („Lebensbericht“, S. 258), ist eine andere Pointe.
Zuletzt führte er besonders in seinem „Lebensbericht“ von 1940 ab Seite 256 auf vielen Seiten nochmals die von ihm als „Schande“ und „Demütigung“ gewertete Zeit der Weimarer Republik aus. Häufigst genannt sind auch hier wieder die Brüder Mann. In Abschnitt 64 seines „Lebensberichtes“ lässt er sich noch einmal über den Nobelpreis aus. Seine persönliche Verbitterung wird deutlich, wenn er in Verschwörung witternder Manier Gründe auszumachen versucht, weshalb er den Preis nie erhalten habe:
Da sind die Mitglieder der schwedischen Akademie, die „Gelehrte irgendeiner andern Wissenschaft [sind], die […] der schönen Literatur fernstehen“ und sich daher auf „Fachgelehrte“ stützen würden. So seien sie dem „seit etwa 1890“ den „germanischen (nordischen) Begriff der Kunst […] überflute[nden]“, „romanisch-jüdische[n] Kunstgefühl“ ausgeliefert gewesen (S. 292).
Frenssen ist sich sicher, dass „das schwedische Volk [.] sich […] in seinem gesamten geistigen, wie seinem Kunsturteil, von Leuten volksfremden Gefühls leiten“ ließ (S. 294). Nur so erklärte er sich, habe es dazu kommen können, dass die Akademie „in ihrem Urteil fehlgriff“ und sie so „in ziemlichem Grade das Volk, dem der Gekrönte angehörte“ „schädigte“ (S. 293).
Er bedauert es, dass „die Namen derer, die […] vielleicht gar ein oder einige Male fast die Mehrheit der Stimmen hatten, durchaus verschwiegen werden“ und scheint sich zu jenen zu zählen, die einer solchen „Demütigung“ ausgesetzt waren (S. 294).
Frenssen meint schließlich auch genau zu wissen, dass dies nicht im Sinne Alfred Nobels gewesen sein könne:
„Er wollte, als ein germanischer Mensch, daß mit seinem Namen und Geld Werke geehrt würden, welche die Menschenseele ehrten und durch solches Ehren erhöhten. Er wollte daß Werke Heidenstamms, Lagerlöfs, Hamsuns, der Undset, Hauptmanns, Thomas Hardys, Rollands geehrt würden, aber Werke Frances, Manns, Lewis, Pirandellos ausgeschlossen waren. Das war der aus seinem germanischen Herzen und ästhetischen Gefühl stammende, sittliche germanische Wille des Stifters“ (S. 293).
Es ist seltsam, weshalb in Frenssens Liste gelobter skandinavischer, deutscher und englischer Nobelpreisträger auch der linksorientierte französische Intellektuelle Romain Rolland auftaucht, der nach 1933 in Deutschland zu den verbotenen Autoren gehörte. Eigentlich ist die kleinlaute Schutzbehauptung eines Enttäuschten, dass der „Germane“ Nobel doch dem „Germanen“ Frenssen seinen Preis gegönnt hätte, kaum der Rede wert, wäre sie als prinzipiell rassistische Kategorisierung nicht alles andere als harmlos. Was für Frenssen unter einem „germanischen Menschen“ zu verstehen ist, und was für diesen das sogenannte „Wahrgutschöne“ sei, erläutert er nur wenig später in der „Lebenskunde“ (1942):
„Die aber, die unheilbar sind und so schwer krank, daß ihr Leben für sie selbst kein Menschenleben mehr ist, die auch in der Gemeinschaft der Menschen nicht mehr mitleben können, Mensch mit Mensch, sollen nach germanischem Gefühl für das Wahrem mit ihrer eigenen Billigung oder nach dem Willen der Gemeinschaft ausgelöscht werden. […] Solche Kranke sind die völlig verkrüppelten Neugeborenen, die unheilbaren Idioten, die unheilbaren Irren. Ferner die gebornen Mörder, Rohlinge (Gewalttäter), Einbrecher, Diebe, Arbeitsunwillige, Herumstreicher, Volksfeinde aus krankem Willen oder um Geld. / […] Es ist dem germanischen Gewissen unwahr und unrecht, sie weiterhin die Volksgemeinschaft schädigen zu lassen, wahr und recht, sie auszulöschen.“ (S. 53-54)
Für die Brüder Heinrich und Thomas Mann selbst, ihre Kinder nach Nürnberger Rassegesetzen „Halb-Juden“, die jüdischen Mitbürger, Sinti und Roma und andere gelte nach einer anderen Stelle: „Unedles Fremdblut und Mischblut, das, weiter gesät, ein Volk erniedrigt, soll ausgeschieden sein“. (S. 91). Wie nahe dabei die Adjektive „unedel“ und „fremd“, den Beiwörtern „krank“ und „unheilbar“ sind, ist spätestens im selben Jahr (1942) endgültig sichtbar, als die „Endlösung“ anläuft. Der Griff in die Schublade rassistischer Kategorien, Klischees und Karikaturen sollte am Ende für Millionen tödlich werden.

Donnerstag, 11. April 2013

G. Frenssen: "Der Glaube der Nordmark" (1936)

"Der Glaube der Nordmark" von 1936 ist im Gesamtwerk Frenssens, nach der Auflage betrachtet, seine dritt-erfolgreichste Schrift (mind. 350.000 Exemplare). Mit ihr schloss er, breit öffentlich erkennbar endgültig seinen Übergang zum Nationalsozialistischen Regime ab und trat in baldiger Folge auch formal-endgültig aus der Evangelischen Kirche aus (1938). Als Synthese der bekanntesten Schriften der "Deutschen Glaubenbewegung", u. a. Alfred Rosenbergs antisemitisch-rassistisches Machwerk "Mythus des zwanzigsten Jahrhunderts", ist der "Glaube der Nordmark" eine Kampfschrift gegen das evangelische Christentum, das Frenssen mit antisemitisch-fremdenfeindlichen Affekten als "widerdeutsch" stigmatisiert. Frenssen deutet zudem die Auflösung christlicher Moralvorstellungen im Bereich der Ethik an, die er in der "Lebenskunde" weiter und fatal zu einer Lehre vom Massenmord an allem "Kranken" ausführt.


Auszüge (aus: 12. Auflage (56.-60. Tausend), Georg Truckenmüller Verlag, Stuttgart).
(Kommentierung folgt.)

S. 43f.:
"Zu der Zeit und in diesem Gemütszustand, im Zustand seelischer Niedergangs-, ja Untergangsstimmung, suchten viele in der Bibel, suchten und suchten, was ihr angeborenes, finsteres und hartes, ihr russisch, ihr undeutsch gewordenes Gemüt zu finden begehrte, und fanden es denn auch: all die finsteren Worte im Alten Testament und die finsteren, ja bösen Worte eines gewissen Teppichmachers Paulus in Vorderasien, der genial, epileptisch, seelisch halb irr, jüdisch orientalisch, mit eine Wust halber, unwahrer Bildung überladen, von einer künstlich grausamen Glaubenskonstruktion besessen, die wirklichem ihm unbekannte Gestalt des Galiläers Jesus nach seinem Sinn umgedeutet hatte. [...] Ein elender Glaube! Ein gotteslästerlicher Glaube! Denn es verunehrt das menschliche Geschlecht, das Gott geschaffen hat! Und undeutsch! Widerdeutsch! [...] Gegen alles, was germanisch ist!"

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S. 45f.:
"Und, um das Maß voll zu machen: da tritt in diesen unsern Tagen in Deutschland eine neue Art von Religion auf - jawohl, eine neue Art von Gottgläubigkeit, von Frömmigkeit -, kommt durch einen glühenden Menschen [= Hitler] zu Kraft und Macht, gewinnt in fünfzehn Jahren [= 1921-1936] mehr als dreiviertel des großen Volkes, und schafft, zur Macht gekommen, aus dieser seiner Art Frömmigkeit heraus, für körperliche Gesundheit und Sauberkeit, für wahrhafte Erziehung und Bildung, für frühe Ehen, für Schönheit und edle Freude, für brüderliche Gerechtigkeit, und mit all diesem für Ehre und Mut, kurz für das, was unserm deutschen Gefühl heilig ist, in vier Jahren [1933-1936] mehr, als die katholische Kirche und ihr Glaube in vierzehnhundert Jahren, und die protestantische in vierhundert Jahren.
Und so, da dies alles vor Augen stand und steht, fühlt die Masse der Menschen immer deutlicher, daß jenes unsägliche Weltwunder, jene ungeheure Schöpfungsbegebenheit von Bethlehem und Golgatha, nicht die Wahrheit sei, und wendet sich vom christlichen Glauben ab."

S. 74ff.:
"Was ist es im Grunde und überhaupt mit diesem christlichen Glauben und der deutschen Seele? [...] Sie hat immer und immer, all die Jahrhunderte hindurch, das Gefühl gehabt, daß der christliche Kirchenglaube etwas in sich habe, das nicht für sie passe. [...] Aus diesem Gefühl heraus hat sie immer wieder versucht, nach ihrer deutschen, ernsten, gründlichen und grübelnden Weise, ihn der deutschen Natur gemäßer, ihn germanischer zu machen. [...] Im Leben Jesu (in "Hilligenlei") habe ich den Heiland als einen Menschen dargestellt, der, einem Germanen gleich, für eine rein geistige, feurige Idee streitet und stirbt. [...] Als das deutsche Volk dann, von der Hitler-Bewegung tief erregt, von dem großen, urdeutschen Gedanken tief ergriffen, wieder Mut gewann, traten die "Deutschen Christen" auf und wiederholten noch einmal diese uralten Versuche. Sie wollten den christlichen Glauben, indem sie ihn vom Jüdischen frei machten, dem deutschen Gemüt erträglich machen. Es ist allen bekannt, wie dieser Versuch zusammengebrochen ist."

S. 108:
"Der christliche Glaube sagt: "Ich komme von weither, aus dem Lande Israel, über Jesus von Nazareth, Hunderte von Lager- und Herdfeuererzählungen, Paulus, Papst, Luther." Und er ist um deswillen eifersüchtig und absprechend gegen das Hiergewachsene, das Heimgewachsene, Völkische.[...] Ist da etwas Großes und Heiliges in der Welt, so muß es doch aus der Fremde kommen, aus einem fernen Fabelland, einem Wunderland, einen weiten Weg![...] Der Glaube der Nordmark sagt: [...] Unser Glaube muß heimisch sein, blutgeboren und vom Blut immer neu gezeugt bis auf diesen Tag, germanisch deutsch geboren."
S. 109:
"Der christliche Glaube sagt: Jedes deutsche Kind muß an dem jüdischen Glaubensgut und an den jüdischen Helden und Patriarchen, von Abraham bis Johannes, seinen Glauben erleben und bilden. Der Glaube der Nordmark sagt: Jedes deutsche Kind muß an deutschem Glaubensgut und an deutschen Helden und Patriarchen, von Hermann dem Cherusker bis zu Goethe, Hindenburg und Hitler seinen Glauben erleben und bilden."

S. 116f.:
"Der christliche Glaube sagt: Heilig, Heilig ist dies und das! Und die bürgerliche Gesellschaft, die der christliche Glaube geschaffen hat, sagt dasselbe. [...] Der Glaube der Nordmark sagt: Heilig sind die Gesetze des Lebens. Mehr nicht: die Gesetze des Lebens! Und die Menschheit kennt sie. Die sie wohnen in unserer Brust und stehn auf Erden und im Himmel aufgeschrieben. (Aber die Menschheit und unser Volk ehrt sie nicht. Noch nicht. Und dreiviertel alles menschlichen Elends kommt von dieser einen Sünde.) [...] Der christliche Glaube von dem lebenden und sterbenden Welterlöser neigt dazu, die Pflege der Armen und Elenden in den Vordergrund zu stellen. Der Glaube der Nordmark, der Glaube an den Gott des sinnlich-seelische Lebens und seiner harten Gesetze, neigt dazu, die Pflege alles Gesunden bei weitem voranzustellen."

S. 119f.:
"Woher war der christ-evangelische Glaube? In Tarsus gebürtig, über Jerusalem, Alexandrien, Rom, nach den rätselvollen Wegen und Willen des Alls, auf Gottes Wunderwegen, nach Germanien verschlagen. Was sollte ich mit dem fremden, überklugen, verkünstelten, versteckten, grausamen Glaubensgebilde?"

S. 132:
"Die neue Bewegung plante keineswegs Feindschaft gegen de christlichen Glauben. [...] Aber indem diese Bewegung, anders als die bisherige, ihr Wesen aus der tiefsten germanischen Natur schöpfte, da sie auf das Blut zurückgriff, den Urgrund jedes Menschen- und jedes Volksseins, [...] bewirkte sie, ohne es zu wollen, daß die deutschen Menschen [...] neu zu fragen begannen, welcher Glaube denn wohl zutiefst im germanischen Blut läge."

S. 134f.:
"So wie diese politische Bewegung eine echt deutsche war, aus den Urgründen der deutschen Seele, gedachten diese Leute, aus den im Judentum beheimateten christlichen Glauben das Gutgläubige, Tätige, Mutige, Frische, Gütige, das auch darin ist, hervorzureißen, ein positives Christentum aufzustellen. Sie wollten das Christentum deutsch, nationalsozialistisch machen. Darum nannten sie sich "Deutsche Christen". Zu gleicher Zeit versuchten andere dasselbe, indem sie das alte jüdische Testament fallen ließen und, statt seiner, altes deutsches Glaubensgut setzten. [...] Sie nannten sich "Deutsche Kirche". [...] Aber beide Bestrebungen mißlangen. [...] Am meisten dadurch, weil das Wesen, der Kern des christlichen Glaubens, jeder Verdeutschung widerstrebt."

S. 135f.:
"Die "Deutschen Christen" hatten auch nicht mit den Kirchengläubigen gerechnet. [...] Dies Kirchenvolk ist in der Nordmark sehr klein, vielleicht noch drei vom Hundert. [...] Dazu kamen endlich auch die, welche, enge und zum Teil böse Menschen, von Natur Stänker, die politische Einigkeit des Volkes nicht ertragen. Alle diese taten sich zusammen und bildeten die "Bekenntnisfront", die "Bekenntniskirche". [...]
Da steht er, von nun an unverändert, unveränderlich! Dieser Glaube an den Welterlöser mit all seinen kleinen, meist unnützen Wundern in den Dörfern des fernen, kleinen jüdischen Landes."

S. 137:
"Unterdessen wird das große Volk der Nordmark, all diese Scharen würdiger Arbeiter, all diese Massen ernster Männer und Frauen [...] werden mit der Welt gehn, mit dem Wandel der Welt [...] zu dem neuen Glauben übergehn. [...] Sie gehören ihm in ungeheurer Mehrzahl an. Von jeher. Von Blut und Boden, Vorfahren und Eltern wegen. Und hunderttausend haben ihre Seelen schon abgestäubt und frisch gemacht, sind sich schon bewußt, daß sie nicht mehr Christen sind.
Und viele ernste und kluge Federn sind im Gange und treiben die Bewegung weiter.
Ich will nur wenig mit Namen nennen. [...] Alfred Rosenberg hat in seinem "Mythus des zwanzigsten Jahrhunderts", von einer mächtigen Allgemeinschau aus, die seit langem selten gewesen ist, die Bedenken und Forderungen germanischen Blutes und germanischer Seele nachgewiesen. In dem Buch "Deutscher Gottglaube" und andern Büchern und in ihrer Zeitschrift "Im heiligen Quell deutscher Kraft" kämpfen Erich und Mathilde Ludendorff mit dem redlichsten und heißesten Willen für einen neuen deutschen Glauben. [...] [Wilhelm Hauers "Deutsche Gottesschau" und die u.a. von ihm herausgegebene Zeitschrift "Deutscher Glaube"] berichten aufs beste und redlichste über die ganze deutsche Glaubensbewegung. Der nun auch diese Schrift dienen will."

S. 141:
"Viele, von stärkerer Natur und von röterem deutschen Blut, ihren Nordmarksbrüdern gefühlsmäßig enger verbunden als den Männern von Jerusalem, Tarsus und Rom, haben schon lange, unter indischer, jüdischer, hellenischer oder römischer Spruchstelle und Überschrift, aus dem Bibelbuche genommen, germanischen Glauben gepredigt. Diesen wird es möglich sein, sich von all dem Fremden noch mehr zu befreien und den rein eignen, wirklichen Glauben der Nordmark zu verkünden."

Dienstag, 26. März 2013

G. Frenssen - „Recht oder Unrecht“ (1940) [Teil 1]

Diese Schrift Frenssens stellt eine nationalsozialistische Geschichtstheologie dar. Frenssen will zeigen, daß der Nationalsozialismus und der „Hitlerismus“ die göttlich-legitimierte und vollendete Form der Regierung und Führung des deutschen Volkes darstelle. Die Niederlage im 1. Weltkrieg (1918) und den Versailler Vertrag (1919) seien der „jüdische" Versuch einer Demütigung und Unterjochung Deutschlands gewesen, der durch den „göttlichen“ Eingriff Hitlers entgegen getreten worden sei. Die Verfolgung der Juden und die Zerstörung der Demokratie und der Grundrechte seit 1933, die Besetzung der Tschechoslowakei (sog. „Protektorat Böhmen und Mähren“) und den deutschen Überfall auf Polen rechtfertigt Frenssen mit Propagandalügen als Form der Selbstverteidigung. Hitler wird von dem ehemaligen Pastor als „Erlöser“ ähnlich der Art der Theologie des Johannesevangeliums beschrieben und bedingungslos verehrt.


Kommentierte Auszüge:
„Die Juden sind vor etwa hundert Jahren als Vollbürger in unser Volk aufgenommen worden. Obgleich dies geschehen war, hielten sie sich aber weiterhin, wie überall, in allen Völkern, für sich gesondert. [...] Sie waren also nicht Deutsche, wollten es auch nicht sein; sonst hätten sie sich mit uns Deutschen vermischt. Nein, sie waren und blieben ein fremdes, kleines Volkstum in unserem großen Volk, und wollten es sein.“
Erst 1871 war den Juden in Deutschland, nach Jahrhunderten der Verfolgung und Rechtsbeschränkung durch einen fast zwei Jahrtausende alten christliche Antijudaismus die vollständige bürgerliche Gleichstellung gewährt worden, von Anfang an vom Widerstand der konservativen Eliten begleitet. 
Von Neonazis gern kopiert: Frenssens
nationalsozialistische Propagandaschrift
von 1940 (G. Grote Verlag Berlin).
Frenssen macht die Juden für das Scheitern einer Agenda verantwortlich, die von Anfang an nicht ehrlich gemeint war: Wie Martin Luther, der erwartete, daß mit der Reformation der Kirche die Bekehrung der Juden zum Christentum erfolgen würde und - als dies nicht eintrat mit der Schrift „Von den Juden und ihre Lügen“ (1543) ihre erbarmungslose Verfolgung und Vertreibung forderte, zeigt auch Frenssen zunächst jene unehrliche Haltung der Emanzipationsbestrebungen im Deutschland des 19. Jahrhunderts, daß ein Jude, dem man alle Rechte verleihe, dann nicht mehr Jude/jüdischen Glaubens sein dürfe, sondern „Verschwinden“ (im Volk aufgehen) müsse. 
In einer Zeit, in der auch Heiraten zwischen den christlichen Konfessionen eine seltene Ausnahme bildeten, macht Frenssen den Juden zum Vorwurf sich nicht „vermischt“ zu haben. Daß die innerjüdischen Bestrebung nach „Akkulturation“ oder „Assimilation“ an die deutsche Kultur - Judentum nicht als Nations- oder Volkszugehörigkeit, sondern als Konfession/Glaube, mit der Einführung deutschsprachiger Gebet- und Gesangbüchern und Orgeln (!) in den Synagogen (siehe: Israel Jacobson) - kaum in einem anderen Land größer war als in Deutschland; daß 100.000 jüdische Männer im 1. Weltkrieg auf deutscher Seite kämpften (80.000 Frontsoldaten, 35.000 ausgezeichnet, 12.000 Gefallene), erwähnt Frenssen natürlich nicht.
Er zeichnet das nationalsozialistische Zerrbild von den dem „germanischen Wesen“ feindlichen und gänzlich fremden Juden, das dem moderne Antisemistismus entnommen ist: Den von Wilhelm Marr 1879 geprägten Begriff kennzeichnet die auf der „Rassentheorie" basierende Vorstellung, daß Judentum und „Germanentum" zwei entgegengesetzte Kräfte der Geschichte seien. Eine „Vermischung" sei daher unmöglich und wäre- so der Titel von Marrs Schrift  - „Der Sieg des Judenthums über das Germanenthum".      
In diesem Fahrwasser bewegt sich auch Frenssen: Die scheinbare Großzügigkeit Deutschland, die von den Juden, aufgrund ihrer Fremdheit ausgeschlagen wurde, dient Frenssen als Rechtfertigung ihrer Verurteilung. Denn eben jene Juden, denen wohlgemerkt nur vorgeblich noch die Vermischung mit den Deutschen angeboten wurde, sind nun die „gänzlichen Fremden".
Daß, was jüdische Mitbürger in ihrem Aufstieg in die bürgerliche Gesellschaft des Kaiserreiches und der Weimarer Republik erreichten, galt ihm - und den Antisemiten - als Angriff eines fremden Volkes von innen:
„Aber dann! Als unser Volk 1918 ausgeblutet, und darauf von seinen Gegnern geschändet [...] verzweifelt war [...] da, ja da geschah etwas Ungeheuerliches. Da griff das kleine, fremde jüdische Volk, verlockt von der wunderbaren Gelegenheit, in wilder, in unsagbarer Taktlosigkeit, in gewordener Gier nach der Herrschaft über das deutsche Volk. [...] Im Staatswesen und der Politik: sie bestimmten den Weg. [...] Schrecklich war der Zusammenbruch [1918]! Schrecklicher der Friede von Versailles, dieser untermenschliche Mordversuch perverser Idioten an einem Edlen Volk! Aber dies, was danach kam, dieser Versuch, und - wie es schien - glückende Versuch des kleinen fremden jüdischen Volkes in unserm großen deutsche Volk [...] das war das Tollste. […] Ich sage: da war kein Geldstück in unserm Land, kein Beschluß in Politik und Verwaltung, kein Hörsaal, keine Volksschulklasse, auf denen nicht die Hand der Juden lag.“ (S. 6ff.)
Der Niederlage des 1. Weltkrieges, selbst der harte Frieden von Versailles seien - so Frenssen - weniger schlimm als der innere Angriff der Juden gewesen. Frenssen identifiziert die Weimarer Republik als „Judenrepublik“. Es ist die klassische irrationale Paranoia und Verschwörungslogik moderner Antisemiten, daß sie den Geschichtsverlauf vor dem Hintergrund eines vermeintlichen Welteroberungsprogramm der Juden deuten („Protokolle der Weisen von Zion“). Frenssens so geäußerter fanatischer Judenhass entspricht dabei der irrationalen Größe seiner Behauptung von der totalen Herrschaft der Juden über Geld, Politik und Bildung. 
„Das deutsche Volk erholte sich vom Mordanschlag von Versailles. Es erholte sich so weit, daß es auf seinen Knien liegen konnte. Dann kam ein Mann [= Adolf Hitler] und machte es wach. Noch halb betäubt, erhob es sich von den Knien und stand wieder auf seinen Füßen. Es sah sich um. Was sah es? Was war das erste, das es sah? Daß dies fremde kleine Volk sein Herr war, sein Herr in allem. Und es verhöhnte. Was geschah?... Was geschah? Ja, was konnte geschehn, als daß dies deutsche Volk rasend wurde? Über solche unsagbare Schmach! Von denen ihm angetan, die es hundert Jahre lang freundlich unter sich geduldet hatte? Es wurde rasend. Es jagte die Meisten weg. Es jagte sie aus dem Land. Es säuberte den Boden seiner uralten Heimat. [...] Gerecht oder nicht... es ist vielleicht nicht menschliche, es ist wohl göttliche Gerechtigkeit!“ (S. 8-10).
So extrem wie Frenssen sich in seinen Lügen über die vermeintliche „Judenherrschaft“ ausläßt, dienen sie ihm als Rechtfertigung der nationalsozialistischen Unterdrückung und Verbrechen, die sich schon in den Jahren 1933 bis 1939 abspielten, darunter Berufverbot, KZ-Haft, Folterungen und Ermordungen, Zerstörung jüdischer Geschäfte und Enteignungen und die Zerstörung der meisten Synagogen in Deutschland in der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938, in der mindestens 400 jüdische Mitbürger getötet oder in den Selbstmord getrieben und 25.000 Juden in KZs inhaftiert wurden. 

In den weiteren Kapiteln verteidigt Frenssen die außenpolitischen Ambitionen Hitlerdeutschlands, die er sich bemüht als Sammlung des deutschen Volkes und gerechte Selbstverteidigung vor allem gegenüber dem britischen Imperialismus darzustellen. Dabei muß er auch die Besetzung der „Rest-Tschechei“ rechtfertigen:
 „Bald danach, als eine Folge dieser Heimkehr [des Sudentenlandes ins Reich] bot sich ein kleiner fremder Volkssplitter , Böhmen-Mähren, freiwillig uns an. Jawohl „freiwillig“! Denn er hatte schon tausend Jahre lang, mehr oder weniger enge, zu uns gehört. Und er war zu klein, um selbständig leben zu können. Er mußte auch fürchten, alleinstehend, von einem der Nachbarn vergewaltigt zu werden. Er schloß sich uns an, weil er ringsum von unserem Gebiet umgeben war.“ (S. 11)
Für Frenssen ist das tschechische Volk nur ein „Splitter“, der deshalb kein Recht habe, das Selbstbestimmungsrecht der Völker, das Hitler als Argument für die Besetzung des Rheinlands, dem Anschluß Österreichs und der Annektion des Sudentenlandes in Anspruch genommen hatte, für sich anzuwenden. „Freiwillig“ habe es sich angeschlossen. Frenssen macht so den „Vergewaltiger“ (Deutschland) zum vermeintlichen „Beschützer“.
Sind die Tschechen zumindest noch ein halbes Volk, so urteilte Frenssen über Polen, das nach dem 1. Weltkrieg Gebiete in Westpreußen, Posen und Oberschlesien zugesprochen bekommen hatte noch deutlicher:
 „Niemals, zu keiner Zeit, war es länger als fünfzig Jahre konsolidiert, ein Volk aus eigener Kraft. Und immer, zu jeder Zeit seiner Vergangenheit, hatte es schlecht um seine Kultur gestanden. […] Der Vertrag von Versailles stellte diese staatliche Unfähigkeit, diesen Nichtstaat wieder her. […] Hochkultiviertes deutsches Volk wurde der  „polnischen Wirtschaft" überantwortet, die in ganz Mitteleuropa sprichwörtlich bekannt ist, der Unordnung, dem Schmutz, der Armut. Ja, und wurde gequält! Es wurde von diesem Nichtstaat, dieser Unkultur gequält! […] So mußte es [= Deutschland] diesem Zustand der Quälerei seines Blutes, dieser seiner Schande ein Ende machen... Es hat ein Ende gemacht." (S. 12f.)
Der deutsche Überfall auf Polen am 1. September 1939 markiert den Beginn des 2. Weltkrieges. Frenssen argumentiert nicht allein mit dem Selbstbestimmungsrecht der Deutschen, sondern bewußt und aggressiv mit der „Unkultur“ Polens, das weder je ein Volk, noch einen Staat gebildet habe. Das „Ur-Recht alles Volkswesens“, das für die Deutschen gilt, gilt für die Polen nicht. Frenssen stimmt damit in die rassistische Völker-Hierarchie der Nationalsozialisten ein.  

Fazit:
Frenssen rechtfertigt ausnahmslos die seit 1933 stattfindende Judenverfolgung, die Annexion der Tschechoslowakei und den deutschen Überfall auf Polen. Die antisemitischen und rassistischen Lügen (über Juden, Tschechen und Polen) seien untrennbare Bestandteile der nationalen Wiederherstellung des Deutschen Reiches. Er steht damit ganz auf der Linie nationalsozialistischer Politik, die die Vertreibung (und spätere Ermordung) der Juden und die Vorherrschaft der Deutschen über die europäischen Völker als Ziele ihrer „Bewegung“ definierte.