BerthavonSuttner

Der Dithmarscher Pastor und Schriftsteller Gustav Frenssen (1863-1945), feierte im Kaiserreich als Vertreter der „Heimatkunst“ literarische Erfolge („Jörn Uhl“ (1901)) und zählte 1912 zu den aussichtsreichsten Kandidaten für den Literaturnobelpreis. Schon früh sind in seinen Aufzeichnungen jedoch radikale Ideen der Eugenik und Euthanasie festzustellen, die er ab Mitte der 1920er Jahre öffentlich kundtat („Möwen und Mäuse“ (1927)). Im Nationalsozialismus als „Vorkämpfer“ gefeiert biederte sich Frenssen den Machthabern an, vergötterte Adolf Hitler und rechtfertigte Krieg und Massenmorde. Im März und April 2014 beschlossen die Städte Heide und Brunsbüttel die Umbenennung der nach Gustav Frenssen benannten Straßen. Dieser Blog dokumentiert und kommentiert Frenssens menschenverachtendes Gedankengut und die öffentliche Diskussion über seine Person.

(Bild rechts: Gustav Frenssen - Quelle: Bundesarchiv, Bild 183-S42619 über wikipedia.de)

Posts mit dem Label Leserbrief werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Leserbrief werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 17. April 2014

"Denkmäler für Rassenhygieniker" - Lesermeinung in der DLZ zur Eugenik (16.04.2014)

Gestern fanden die Leser der "Dithmarscher Landeszeitung" (vom 16.04.2014) wieder einmal einen besonders interessanten Leserbrief vor. Es entspricht zwar der Berufsethik der Presse durch Leserbriefe auch solche Meinungen zu veröffentlichen, die man nicht teilt und ein ausgewogenes Meinungsbild - auch durch Einreichungen Dritter (Leserbriefe) - herzustellen. Aber gerade in der Frenssen-Debatte waren zumindest die Beiträge von Leuten, die offenbar keinen Handlungsbedarf gegenüber einen nationalsozialistischen Schriftsteller sahen nicht selten von rechtslastigen, bis rechtsextremen Untertönen begleitet, die auch wahrheitswidrige, schmähende und ehrverletztende Behauptungen enthielten. 
Nun also eine Lesermeinung von Hubert H. aus Dingerdonn, in der sich der Schreiber bunt mit dem Beschluss des Brunsbüttler Bildungs- und Kulturausschusses auseinandersetzt, der beschlossen hatte, die örtliche Gustav-Frenssen-Straße umzubenennen. Unter der Überschrift "Penetrante Hysterie" fordert der Schreiber dazu auf, im Internet einmal nachzulesen
"... unter dem Stichwort Eugenik [.], wer im Ausland (USA, Britisches Königreich, Kanada) der sogenannten Rassenhygiene anhing. In den genannten Staaten hat man diesen Leuten Denkmale gesetzt, in Deutschland werden solche Personen als "nicht tragbar" erklärt."
Uff. Der Einfachheit halber sei jetzt nur auf den Wikipedia-Artikel verwiesen, und: Ja, man findet nicht gerade unbekannte Namen von Personen der zweiten Hälfte des 19. und ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts unter denen, die eugenische Ideen vertraten. Da war zum Beispiel der Schotte Alexander Graham Bell (1847-1922). Der Erfinder des Telefons glaubte, dass durch Eheverbote und Sterilisationen Taubheit, die er als Gefahr für die Menschheit - und wohl auch für sein Telefon - betrachtet ausgerottet werden könnte und sollte. Die bittere Ironie an dieser Geschichte ist, dass Bell's Frau Mabel seit frühester Kindheit taub war.
Der Engländer Winston Churchill (1874-1965), "Jahrhundert-Premierminister" von Großbritannien in den Jahren des Kampfes gegen Nazi-Deutschland, in dem 10.000e Behinderte ermordet wurden, soll in "Geistesschwachen" eine Bedrohung für Wohlstand, Vitalität und Kraft der britischen Gesellschaft gesehen haben und trat für ihre Segregation und Sterilisierung ein.
Churchill, Bell und auch der irische Literaturnobelpreisträger George Bernhard Shaw (1856-1950), der eine staatliche Förderung der Reproduktion forderte, verdienen für ihre Leistungen in Politik, Wissenschaft und Kunst sicherlich Anerkennung. Für ihre eugenischen Vorstellungen hat man ihnen dagegen kein Denkmal gesetzt. Ist Gustav Frenssen mit diesen vergleichbar? Verdient er einen Straßennamen trotz - oder etwa, wie es im Leserbrief erscheinen könnte sogar wegen - seines Eintretens für Eugenik? 

Sicher nicht. Churchill, Bell, Shaw und andere mögen - wie in der Tat nicht wenige - von Ideen, die der Mendelschen Vererbungslehre und der Darwinschen Evolutionstheorie entlehnt und 1 zu 1 auf den Menschen übertragen worden waren dazu hingerissen worden sein, den Menschen ausschließlich unter dem Aspekt der "Nützlichkeit" ("Nutztier Mensch") zu betrachten. Außerdem waren sie von der Furcht der britischen "Upper Class" getrieben, die hohe Geburtenrate der Mittel- und Unterschicht, würde Bildung und Wohlstand der Gesellschaft langfristig in Frage stellen, da sie kaum an die Macht und Möglichkeiten eines funktionierenden Bildungssystems glaubten (Sozialdarwinismus).
Gustav Frenssen - und mit ihm die Nazis - gingen bekanntermaßen weiter, in dem sie nicht nur die "Verhütung Erbkranken Nachwuchses" betrieben, sondern jeden, der politisch, rassisch, ideologisch nicht in ihr Weltbild passte ausrotten ließen, also Eugenik mit (Zwangs)Euthanasie verbanden. Das hat Gustav Frenssen so schon Mitte der 1920er Jahre gefordert und zuletzt 1942 - als es bereits betrieben wurde - wiederholt. Ein Denkmal also für einen Mann, der "Diebe", "Herumstreicher" und "Volkfeinde" töten, "ausrotten" lassen wollte?

Eugenik, wenn auch durch den Nationalsozialismus weitgehend diskreditiert, war durch Gesetze, die etwa Zwangssterilisationen erlaubten, noch lange nach 1945 in der Schweiz und in Skandinavien (v.a. Schweden) präsent, wo Gesetze aus den 1920er und 1930er Jahren erst in den 60er und 70er Jahren außer Kraft gesetzt wurden.
Auf der Anwohnerversammlung zur Umbenennung der Gustav-Frenssen-Straße in Brunsbüttel ging ein Anwohner "auf die zu Fressens Zeit herrschende Eugenik und auf die heutigen medizinischen Vorgehensweisen ein, insbesondere auf heutige pränatale Untersuchungsmethoden und deren Auswirkungen." (Laut Protokoll der Sitzung vom 12.03.2014; unter: http://www.sitzungsdienst-brunsbuettel.de/bi2/to020.asp?TOLFDNR=13272&options=4#searchword)
Auch hier mischt sich richtiges mit falschem, und nichts davon taugt zur Entschuldigung Frenssen: Es ist zwar richtig, dass es in § 218a StGB, Abs. 2 etwa heißt, dass ein Schwangerschaftabruch "nach ärztlicher Erkenntnis angezeigt" und zu jedem Zeitpunkt der Schwangerschaft erlaubt ist,
"...um eine Gefahr für das Leben oder die Gefahr einer schwerwiegenden Beeinträchtigung des körperlichen oder seelischen Gesundheitszustandes der Schwangeren abzuwenden, und die Gefahr nicht auf eine andere für sie zumutbare Weise abgewendet werden kann."
Darunter fallen in der Praxis natürlich auch die Fälle, in denen etwa eine durch Pränataldiagnostik gewonnene Wahrscheinlichkeit besteht, ein behindertes Kind zur Welt zu bringen. Welcher Art und in welchem Grad die Behinderung - womöglich - vorliegt ist, ist dem Gesetz nach nicht beschrieben, da es ausschließlich um die Beeinträchtigung der Schwangeren geht. Es bleibt also letztlich jeder Schwangeren für sich selbst überlassen - nicht etwa dem Staat oder einer Kontrollkommission von Ärzten, wie es den Rassehygienikern vorschwebte -, ob sie sich 1. überhaupt in die Hände der Pränataldiagnostik begibt, die Schwangerschaftsrisiken mit sich bringen kann, und 2. ob sie - auch nur anhand einer Wahrscheinlichkeit - bespielsweise ein Kind mit Downsyndrom (Trisomie21) zur Welt bringen möchte. Was da als zu- oder unzumutbar gilt, ist jedem selbst überlassen. Zudem ist es so, dass von den rund 102.802 Abbrüchen jedes Jahr nur gut 3,6% (3.703) unter diesen Absatz falle. Der übergroße Teil findet nach Abs. 1 in den ersten 12 Schwangerschaftswochen statt, mehr als 2/3 davon innerhalb der ersten 9 Wochen, so dass die Frage der Gesundheit des Kindes dabei fast keine Rolle spielen dürfte. Daher kann im Grunde nicht von Eugenik in der Schwangerschaft gesprochen werden (Siehe Statistik unter www.gbe-bund.de).

Samstag, 5. April 2014

Presserat missbilligt Leserbrief

Ein Leserbriefschreiber aus Brunsbüttel hatte in einem Leserbrief in der "Dithmarscher Landeszeitung" (06.12.2013) in der Debatte um die Gustav-Frenssen-Straße in mehrere rhetorischen Fragen die Umbenennungsbefürworter, u.a. namentlich genannte Repräsentanten der "Stiftung gegen Extremismus und Gewalt in Heide und Umgebung", als  "ewig gestrige Weltverbesserer und Nestbeschmutzer" bezeichnet und in einer umschreibenden Wendung eine vermeintliche jüdisch/zionistisch/israelische Einflussnahme beklagt ("Hat [...] das auserwählte Volk [...] es nötig, sich solcher Helfer und Kriecher zu bedienen?").

Für die Veröffentlichung dieses Leserbriefes kassierte die DLZ nun auch eine Missbilligung des Presserates, nachdem bereits eine öffentliche Rüge für einen anderen, nationalsozialistische Verbrechen verharmlosenden Leserbrief ausgesprochen worden war. Der Beschluss fiel bereits am 11.03.2014. Die Begründung liegt uns aber erst seit heute vor. Darin heißt es:
"der Leserbrief vergleicht die namentlich genannten Akteure in der örtlichen Debatte durch die Passage "Heißen die Bilderstürmer und Bücherverbrenner der Neuzeit, heute Steincke, Crystall, Beuse oder Duncker?" mit Nationalsozialisten, die gewaltsam gegen abweichende Positionen vorgehen. Das ist ehrverletzend. Dass die Redaktion diesen Leserbrief dennoch veröffentlicht hat, widerspricht den Publizistischen Grundsätzen des Pressekodex." (Schreiben des Presserats an den Beschwerdeführer, 03.04.2014, Seite 2)
Missbilligungen müssen nach § 15 der Beschwerdeordnung nicht abgedruckt werden. Als Ausdruck fairer Berichterstattung empfiehlt der Beschwerdeausschuß aber eine solche Entscheidung. Wir werden sehen/lesen, was passiert. Zumindest im Umgang mit dem Rügenabdruck, zeigte sich die Zeitung zuletzt eher zerknirscht.

Donnerstag, 27. März 2014

DLZ druckt Rüge ab (25.03.2014)

Die Dithmarscher Landeszeitung ist am Dienstag ihrer Pflicht nachgekommen, die ihr vom Presserat erteilte öffentliche Rüge in ihrer Zeitung abzudrucken. Ob sie diese Pflicht auch den Grundsätzen des Pressekodex gemäß erfüllt hat, wird vielleicht aber nochmals geprüft werden.
Die Zeitung hatte laut uns vorliegender Korrespondenz mit dem Presserat auch bei nochmaliger Prüfung der Sache nicht nachvollziehen können, warum etwa die aufgestellten wahrheitswidrigen Behauptungen über die angeblich unaufgearbeitete Nazi-Kollaboration der evangelischen Kirche oder die behauptete Zustimmung der Zionisten zu den Nürnberger Rassegesetzen, bzw. die Verharmlosung von Antisemitismus und Euthanasie, Verstöße gegen den Pressekodex darstellten.
Der Leser der DLZ erfährt im Rügenabdruck jedenfalls etwas anderes. Schon die Übersschrift ("Presserat kritisiert Leserbrief") belässt die verantwortliche Redaktion merkwürdig unberührt von der Sache. Die Zeitung scheint sich weiter wohl für unschuldig zu halten, denn so heißt es im Rügenabdruck fälschlich, dass:

"ein Leserbrief" veröffentlicht worden sei, "der [...] die publizistischen Grundsätze nicht ausreichend beachtet hat."

Fakt ist aber, dass nicht der Leserbrief, sondern die Redaktion gerügt worden ist, ihrer Pflicht zur sorgfältigen Prüfung auch von Leserbriefen nicht nachgekommen zu sein. So liest es sich schließlich in der Begründung des Presserats:

"Bei der Veröffentlichung des Leserbriefes hat die Redaktion die Publizistischen Grundsätze nicht ausreichend beachtet." 
(Begründung des Presserats, schriftliche Korrepondenz mit dem Beschwerdeführer vom 20.03.2014)

Entsprechend verschlossen hält man sich über die Hintergründe und Begründung der Rüge. Hier der vollständige Text (DLZ vom 25.03.2014 (unter: Heider Anzeiger):

 

Samstag, 22. März 2014

Presserat: Rüge für die "Dithmarscher Landeszeitung" wegen Frenssen-Leserbrief

Der Beschwerdeausschuß 1 des "Deutschen Presserats" hat auf seiner Sitzung am 11. März 2014 u.a. gegen die "Dithmarscher Landeszeitung" (DLZ) eine öffentliche Rüge ausgesprochen, wegen der Veröffentlichung eines Leserbriefs zur Frenssen-Debatte, in dem Antisemitismus und NS-Euthanasie verharmlost worden waren (Aktenzeichen: 0023/14/1 (Übersicht aller Rügen: http://www.presserat.de/pressekodex/uebersicht-der-ruegen/, http://meedia.de/2014/03/12/tadel-fuer-qualitaetsportal-presserat-ruegt-faz-net/)).

Wenige Tage nach der öffentlichen Vorstellung der Ergebnisse einer Schülerarbeitsgruppe des Gymnasiums Heide-Ost, die sich mit dem dithmarscher Schriftsteller Gustav Frenssen (1863-1945) und dessen propagandistischer Publizistik in der NS-Zeit (und davor) beschäftigt hatte und über die antisemitische Ansichten des Schriftstellers, sowie dessen Befürwortung der Ermordung "Wertloser" und Rassismus referierte, druckte die DLZ einen Leserbrief zu diesem Thema ab.

Der Verfasser beschimpfte darin die Initiatoren des Projektes zunächst als "Müßiggänger, die wohl sonst nichts Ordentliches mit ihrer Zeit anzufangen wissen" und attackierte den Heider Propst Dr. Andreas Crystall, der sich in seiner Dissertation mit Gustav Frenssen beschäftigt hatte, und nun als Berater herangezogen worden war. Der Verfasser behauptete u.a. (wahrheitswidrig):
"Warum mahnt unser Propst nur den Antisemitismus in der NS-Zeit an und will deswegen Gustav Frenssen aufarbeiten und nachholen, blendet aber 2000 Jahre Judenverfolgung von Kirche und Christen aus? Dabei hat sich Gustav Frenssen schon 1945 geläutert. Die Kirche hingegen hat bisher nichts zurückgenommen." (DLZ vom 27.12.2013)
Die vom Presserat gerügte Passage folgte allerdings erst zum Ende des Pamphlets. Der Verfasser versuchte darin, Frenssens politische Aussagen zu rechtfertigten:
"Antisemitismus. Gab es den nicht schon immer? Euthanasie? Wird und wurde in vielen Staaten praktiziert!" (DLZ vom 27.12.2013)
In seiner mir vorliegenden Begründung der öffentlichen Rüge schreibt der Presserat über diese Passage:
"Die Beschwerde ist begründet. Sie verletzt die Ziffer 2 Richtlinie 2.6 des Pressekodex. Bei der Veröffentlichung des Leserbriefes hat die Redaktion die Publizistischen Grundsätze nicht ausreichend beachtet, denn der Leserbrief relativiert [...] den Antisemitismus sowie die staatliche Euthanasie der NS-Zeit. Nationalsozialistische Verbrechen zu verharmlosen, schadet dem Ansehen der Presse (Zif. 1). 
Außerdem enthält der Leserbrief eine wahrheitswidrige Behauptung über Zionisten, indem pauschal behauptet wird, "die Zionisten gaben damals ihr Okay" zu den Rassegesetzn. Durch diese Formulierung wird fälschlich behauptet, die gesamte zionistische Bewegung sei mit den Rassegesetzn einverstanden gewesen und so den Juden die historische Schuld für die eigene Ausgrenzung zugeschoben.

Beides hätte der Redaktion auffallen müssen und dazu führen müssen, dass der Leserbrief unveröffentlicht bleibt."

(Schreiben des Presserats vom 20.03.2014)
Die öffentliche Rüge ist das schärfste Sanktionsmittel des Presserats, der als Selbstkontrollgremium der Presse seit 1956 existiert.  Das betroffene Medium ist verpflichtet, seine Leser durch Abdruck der Rüge über den Vorgang zu informieren. Bei seiner Sitzung rügte der Beschwerdeausschuß 1 außerdem die Online-Portale "FAZ.net", "BILD.de" und die Zeitschrift "Das Goldene Blatt". Er sprach 11 Missbilligungen und 9 Hinweise aus. 3 Beschwerden waren begründet, aber es wurde auf eine Maßnahme verzichtet. 24 Beschwerden waren unbegründet (Quelle: http://www.presserat.de/presserat/news/pressemitteilungen/ (vom 12.03.2014 unter "Spekulation über Limburger Bischof").

Mittwoch, 19. März 2014

Einwohnerversammlung in Brunsbüttel: Anwohner wollen Frenssen behalten

Wie die "Norddeutsche Rundschau" vom 14. März 2014 berichtet fand nun auch in Brunsbüttel eine Versammlung der Einwohner der Gustav-Frenssen-Straße statt. Anders als in Heide war diese von reger Beteiligungen gekenntzeichnet, denn von 115 Anwohnern der Straßen kamen 45, die sich fast geschlossen für eine Beibehaltung des Straßennamens aussprachen, und lediglich mit einem Zusatzschild über die Wirkung Frenssens in der NS-Zeit informieren wollen. Laut Zeitungsbericht stelle dies das von Bürgermeister Stefan Mohrdieck (parteilos) ZITAT: "erhoffte Meinungsbild" dar.

Auf der Veranstaltung hatte Historiker Martin Gietzelt, Leiter des Vereins Volkshochschulen in Dithmarschen, über Gustav Frenssen Leben und Werk und den Nationalsozialismus in Dithmarschen referiert. Zur Einsicht brachte er damit anscheinend nur wenige, denn es kam zum Eklat, als der Versuch der Verharmlosung des Euthanasieprogramms der Nazis gemacht wurde.

In einem Leserbrief in der "Dithmarscher Landeszeitung" (DLZ) vom 19. März 2014 beklagte sich daher Werner Overbeck, Sprecher des Ortsverbandes von "Bündnis90/Die Grünen" in Brunsbüttel, über die geäußerten Ansichten:
"Da ist doch ein Herr W. der Meinung, dass der Name beschmutzt werde. Dieser Frenssen war davon überzeugt, dass "asoziale Elemente" eine "Todesgefahr des deutschen Volkes darstellen und folglich beseitigt werden müssen." Übrigens wird außerhalb unseres Landkreises schon gemunkelt, dass einige Ureinwohner Dithmarschens immer noch gerne im braunen Sumpf herumstiefeln." 
(DLZ, S. 18, vom 19.03.2014)
Jens Binckebanck, Geschichtslehrer aus Brunsbüttel und ebenfalls Mitglied der Grünen, hatte schon in einem Vortrag im Januar beim "Historischen Stammtisch" des "Verein für Brunsbütteler Geschichte", gefordert, die Umbenennung zu hinterfragen und erinnerte an die Brunsbüttler Opfer des Rasseprogramms der Nazis (Siehe: "Norddeutsche Rundschau" vom 9. Januar 2014)

Dass einige Anwohner der Straße offen ihre Sympathie auch für die politischen Ansichten des Dithmarscher Schriftstellers bekundeten dürfte eigentlich nicht verwundern, nachdem ein Leserbrief eines Anwohners in der DLZ erschienen war, in dem die Befürworter einer Umbenennung als "Bücherverbrenner" und "Nestbeschmutzer" bezeichnet wurden, und kaum verdeckt unterstellt wurde, Israel/Juden würden sich dieser "Kriecher" als "Helfer" bedienen.
Ein andere Leserbrief, in dem die Euthanasiepolitik der Nazis und Antisemitismus verharmlost wurden, hat der "Dithmarscher Landeszeitung" inzwischen sogar eine öffentliche Rüge des "Deutschen Presserats" eingebracht (Unter: http://www.presserat.de/presserat/news/pressemitteilungen/ (Meldung vom 12. März 2014 unter "Spekulation über Limburger Bischof"); auch: http://meedia.de/2014/03/12/tadel-fuer-qualitaetsportal-presserat-ruegt-faz-net/)
Zur öffentlichen Rüge wird auf unserer Seite an andere Stelle in Kürze ein ausführlicher Bericht folgen.

Anders als in Heide, wo die Gustav-Frenssen-Straße in einem anonymen Wohngebiet mit Mehrparteien- und Mietshäusern liegt, leben viele Anwohner in Brunsbüttel im eigenen Häuschen mit Garten, direkt hinterm Deich mit romantischem Blick auf Elbe und Schleuseneinfahrt.

Dienstag, 25. Februar 2014

Leserbrief: Bertha von Suttner im Gedenkjahr 1914/2014

10-Euro-Gedenkmünze (Quelle: Wikimedia)
In der heutigen Ausgabe der DLZ taucht nun auch erstmals der Name einer Frau auf, die auch schon vor 30 Jahren als empfehlenswerte Namenspatin für Heider Straßen genannt wurde: Bertha von Suttner. Wie wir bereits am 4. Februar 2014 erklärten, wäre der Name der pazifistischen Aktivisten, Schriftstellerin und Friedensnobelpreisträgerin eine gute weibliche Alternative für die Gustav-Frenssen-Straße (siehe: http://pro-mann-strasse-heide.blogspot.de/2014/02/bertha-von-suttner-strae-1983.html ).

Jens Kartens aus St. Michaelisdonn findet das wohl ebenfalls, in seinem Leserbrief "Frauenname für Heider Straße" (DLZ vom 25.02.2014) schreibt er:
"Ausgerechnet mit dem Sprengstoff-Produzenten Alfred Nobel eng befreundet, initiierte sie darüber hinaus den Friedens-Nobelpreis und bekam diesen 1905 als erste Frau verliehen. Die von ihren Gegnern als "Friedens-Bertha" verhöhnte Schriftstellerin starb wenige Tage vor den Schüssen von Sarajevo in Wien. Den von ihr vorhergesagten großen Krieg - die Urkatastrophe des zwanzigsten Jahrhunderts - hat sie somit nicht mehr selbst erleben müssen. Diese Straßenumbenennung wäre zugleich ein Dithmarscher Beitrag zum Gedenkjahr 2014."
Das können wir nur bestätigen.

Sonntag, 19. Januar 2014

Fußballer, Pferd, Frenssen? – Womit wollen wir uns schmücken?

Die „Dithmarscher Landeszeitung“ veröffentlichte gestern (18.01.2014) eine erste Zusammenstellung von Vorschlägen, die von Lesern als Namensalternative im Falle einer Umbenennung der Gustav-Frenssen-Straße gemacht wurden. Wie immer in solch einem Fall, ist es eine Mischung aus absurden, aber auch ernsthaften und überlegenswerten Namen.

Zu den absurden gehört, wie man auch im Internet-Forum der DLZ nachlesen kann, die Benennung nach dem ehem. VW-Funktionär und Namensgeber der Schröderschen Sozialreformen (Peter-Hartz-Straße) oder auch nach dem derzeitigen Heider Bürgermeister (Ulf-Stecher-Allee, "Grinsebacke-Weg"). Hier hat wohl der ein oder andere die Gelegenheit genutzt um Frust loszuwerden.
Andere Vorschläge sind dagegen rührig: So schlug ein Leser die Benennung nach dem bekanntesten Pferd des Olympia-Goldmedaillengewinners im Mannschaftsspringreiten, Fritz Thiedemann, vor (Meteor-Straße), nach dem in Heide auch schon eine Umgehungsstraße benannt ist (Fritz-Thiedemann-Ring). Dabei ist es ja nicht so, dass diesem Pferd bisher nicht genug Würdigung widerfahren wäre: In Kiel steht vor der Staatskanzlei am Förde-Ufer eine lebensgroße Statue. Im unwahrscheinlichen Falle einer entsprechenden Umbenennung, würde sich das Tier in der Nachbarschaft zur Theodor-Storm-Straße, dem Verfasser des „Schimmelreiters“, vielleicht zwar wohlfühlen. Man würde sich aber doch zu sehr an die Geschichte des römischen Kaisers Caligula erinnert fühlen, der sein Lieblingspferd Incitatus zum Konsul ernennen wollte.
Auch der Heider Fußballer und einmalige Nationalmannschaftspieler Willi Gerdau hätte seinen Namen sicher lieber mehr in sportlichen Zusammenhang gesehen (Stadion des Heider SV o.ä.) als in der Nachspielzeit für Gustav Frenssen in eine Mannschaft von Literaten  eingewechselt zu werden.

Ernsthafter sind dagegen die Vorschläge, die zeitgenössische Literaten nennen: Sarah Kirsch, die 1935 in Thüringen geborene und 2013 verstorbene Lyrikerin lebte nach ihrer Übersiedlung aus der DDR im Jahre 1977, von 1983 bis zu ihrem Tod zurückgezogen in Dithmarschen (Tielenhemme), und war streitbar was politische Unterdrückung oder Verfolgung anging. Andere fänden dagegen Elsa Peters (1906-1998) schön. Die Verfasserin plattdeutscher Geschichten wurde – noch ihren zu Lebzeiten – 1983 in einem Leserbrief bereits einmal als Ersatz für die Gustav-Frenssen-Straße vorgeschlagen („Warum eigentlich immer nur posthume Ehrungen? Wie wär's denn mit „Elsa-Peters-Straße“?“; Leserbrief von Sieglinde Zimmermann, Heide; DLZ vom 20. Sept. 1983).

Es zeigt sich das Dilemma: Wen oder was soll man ehren? Politiker, Pferd oder Sportler? Entweder die plattdeutsche Heimatdichterin oder doch die zugezogene kosmopolitische Lyrikerin? Möglich ist bei Straßen prinzipiell alles, was gesellschaftlich und kommunalpolitisch erwünscht ist, wenn es nun um die Planung neuer Wohn- und Gewerbegebiete geht. Hier geht es aber um die Umbenennung einer bereits bestehenden Straße eines Wohngebietes, das als „Dichter-Viertel“ bekannt ist, und mit "Theodor Storm" oder "Gorch Fock" aufwartet.

Der „fast-Literaturnobelpreisgewinner“ Gustav Frenssen gab in anderen Gemeinden sogar meist die Leitlinie vor: So folgte ihm in Elmshorn – folgerichtig - der tatsächliche Preisgewinner Thomas Mann, in Flensburg folgte dem Ex-Pastor der evangelische Lieddichter Matthias Claudius. Und in Hamburg ersetzte 1986 Anne Frank den Namen des antisemitischen Propagandisten (Übersicht siehe hier: http://pro-mann-strasse-heide.blogspot.de/2013/03/chronik-umbenennung-von-gustav-frenssen.html).
Als in Kiel eine Gustav-Frenssen-Straße im Jahr 2011 nach Joachim Ringelnatz umbenannt wurde bestimmten die Kommunalpolitiker damals, dass unter dem Straßenschild noch ein Erklärungsschild angebracht wird, das mehr über Gustav Frenssen und weshalb die Straße nicht mehr nach im benannt sein darf aussagt, als dass es über den neuen Namensgeber, der den Nazis als unkonventioneller Kabarettist ein Dorn im Auge war informiert. Man wollte zeigen, dass man sich über Frenssen seine kritischen Gedanken gemacht hatte. Dass Ringelnatz nun aber wie ein „Lückenbüßer“ erscheint, hat man dabei nicht bedacht.
Es ist nicht falsch den jüngeren Frenssen einmal zu lesen, der vom alten Frenssen noch (fast) nichts wusste. In Barlt steht noch sein Haus, in dem die verhängnisvolle Karriere des ehem. Pastors und Erfolgschriftstellers zum Nazi-Propagandisten vermittelt wird und zur Mahnung dienen sollte. Diese Mahnung an einem neuen Straßenschild für jemand anderen ist aber unangebracht.

Gustav Frenssen, für dessen Roman „Otto Babendiek“, den Arno Schmidt für ein „Meisterwerk zweiten Ranges“ hielt, sich einzelne vielleicht zurecht einsetzen, wobei andere sich eine "Jörn-Uhl-Straße" (nach einem anderen Frenssen-Roman) vorstellen können, hat sein Werk zuletzt als „germanisches Schrifttum“ verstehen wollen und viele von den Nazis verfolgte Autoren, die Manns, Stefan Zweig, Lion Feuchtwanger etc. aus der deutschen Kultur ausrotten wollen. Bei der Suche nach einem neuen Straßennamen, die wohl selten von so viel öffentlicher Anteilnahme begleitet worden ist, geht es jedenfalls um viel: Wofür soll die „Heimat“ heute stehen: Pferd oder Fußball? Kulturelle europäische Integration oder provinzielle Erdverbundenheit? Es scheint jedenfalls, dass es hierbei auch um das Selbstverständnis unserer Region gilt: "So weit weg von Hamburg und doch so nah dran an Nordfriesland."  

Montag, 13. Januar 2014

Brunsbüttel: Straßenname mit Beigeschmack (2014)

Auch in Brunsbüttel zieht die in Heide wieder aufgenommene Diskussion um eine Umbenennung hiesiger "Gustav-Frenssen-Straßen" ihre Kreise. Wie die "Norddeutsche Rundschau" am 9. Januar 2014 berichtete griff der "Verein für Brunsbütteler Geschichte" im Rahmen des "historischen Stammtisches" das Thema auf. Jens Binckebanck, Geschichtslehrer am Glückstädter Detlefsengymnasium, forderte nach einem ausführlichen Vortrag zur Lebens- und Werkgeschichte des Bartler Schriftstellers, dass „man sich nicht nur in Heide erneut dem Thema widmet und sich ernsthaft fragt, ob es richtig ist, dass Gustav Frenssen durch die Namensgebung einer Straße geehrt wird.“
Die Diskussion war spätestens vor vier Wochen auch öffentlich nach Brunsbüttel übergeschwappt, nachdem in der "Dithmarscher Landeszeitung" vom 6. Dezember 2013 ein Leserbrief des Brunsbüttlers Walter Höer abgedruckt worden war, in dem dieser namentlich einige Umbenennungsbefürworter in Heide in rhetorischen Wendungen als "Bücherverbrenner" und "Nestbeschmutzer" bezeichnet hatte, denen er unterstellte "Helfer und Kriecher" "einer der selbstbewußtesten Nationen der Erde", die "sich für das auserwählte Volk" halte (= Israel/Juden) zu sein. Höer war als FDP-Direktkandidat bei der Kommunalwahl 2013 in Brunsbüttel angetreten und wäre im Falle einer Umbenennung der Straße persönlich betroffen.

Der unverhohlen antisemitische, diffamierende und ehrverletzende Ton des Leserbriefes, der auch die Frage aufwirft, weshalb die "Dithmarscher Landeszeitung" die Veröffentlichung nicht unterlassen hat, wurde von Binckebanck, der 2011 den Ortsverband der Bündnis/Grünen in Brunsbüttel mitbegründet hatte, wenige Tage später mit einer Replik offengelegt und deutlich mit Zitaten aus Frenssens menschenverachtenden Schriften und aktuellen Bezügen zum NSU-Terror beantwortet (Leserbrief: "Hohe Maßstäbe", 10. Dezember 2013).

In Brunsbüttel kursieren bereits erste Vorschläge im Falle einer Umbenennung der Straße: Als nachträgliches Geschenk zu seinem Geburtstag im Dezember 2013 könnte Willy Brandt Namenspatron werden (Leserbrief von Reimer Lützen, Brunsbüttel in der "Dithmarscher Landeszeitung" vom 10. Januar 2014).

Zum Bericht in der Norddeutschen Rundschau siehe hier:
https://www.shz.de/lokales/norddeutsche-rundschau/strassenname-mit-beigeschmack-id5374331.html

Donnerstag, 2. Januar 2014

Offen antisemitische und fremdenfeindliche Leserbriefe in der Frenssen-Debatte (2013)

Im Vorfeld und nach der Informationsveranstaltung zum Thema "Das Politikum Gustav Frenssen" am 17. Dezember 2013 im Kulturforum Heide-Ost wurden in der "Dithmarscher Landeszeitung" zwei Leserbriefe veröffentlicht, in denen die Autoren eine ideologische Nähe zu Frenssen zum Ausdruck brachten und dabei aggressiv-rechte Äußerungen tätigten.

Am 9. Dezember schrieb Walter Höer aus Brunsbüttel auf die Berichterstattung zum Thema "Gustav-Frenssen-Straße" hin:
"In der Mitte des Artikels fragte ich mich: "Denkt der Leser jetzt, ob hier nur harmlose Leute tätig sind, die ein Haar in der Suppe suchen, oder sind es ewig gestrige Weltverbesserer und Nestbeschmutzer?" Am Ende fragte ich mich: "Hat eine der selbstbewusstesten Nationen der Erde, in der nicht nur die orthodoxen Fanatiker sich für das auserwählte Volk halten, es nötig, sich solcher Helfer und Kriecher zu bedienen?"
Im folgenden nennt Herr Höer noch die Namen der von ihm so diffamierten Personen: Berndt Steincke, ehem. Vorsitzender der Stiftung gegen Extremismus und Gewalt in Heide und dessen Nachfolger Dieter Beuse, Propst Dr. Andreas Crystall, und Geschichtslehrer Dr. Matthias Duncker, die am derzeitigen Frenssen-Projekt beteiligt sind und schimpft sie nochmals (in einer rhetorischen Frage) "Bilderstürmer und Bücherverbrenner".

Schlimmer als diese Diffamierungen sind die tiefsitzenden antisemtischen Affekte. In der geistigen Nachfolge der "Protokolle der Weisen von Zion" unterstellt Herr Höer dem Staat Israel, bzw. den Juden (= "... eine der selbstbewußtesten Nationen", "... sich für auserwähltes Volk halten") eine (aktive) Rolle in der Heide Straßen-Umbenennungs-Debatte zu spielen. Eben diese Behauptung einer Verschwörung eines "internationalen Weltjudentums" ist eine der klassischen, auch im Nationalsozialismus gepflegten antisemitischen Diffamierungen: Sogar in die Angelegenheiten provinzieller norddeutscher Kleinstädte mischten "sie" sich ein, mittels williger deutscher "Helfer", "Kriecher" und "Nestbeschmutzer".

Im folgenden hetzt Herr Höer noch gegen die Erziehung "unsere[r] Einzel- und Verwöhntkinder" und verlangt:
"... dass man unsere ausländischen Einwanderer, die gerne bei uns bleiben möchen, davon überzeugt, dass sie ausschließlich hier ihre Heimat sehen und unsere Sitten und Gebräuche respektieren."
Ob für Herrn Höer zu diesen zu tolerierenden Sitten und Gebäuchen in Dithmarschen auch die bedingungslose Verehrung von Gustav Frenssen gehört, bzw. struktureller Antisemitismus, bleibt aufgrund dieser Zeilen zu vermuten. Es ist kein gutes Zeichen, wenn solche Ansichten und Stimmungen von jemandem verbreitet werden, der bei der schleswig-holsteinischen Kommunalwahl im Mai 2013 noch für die FDP angetreten ist.

Ein ganz ähnliches Weltbild ließ der am 27. Dezember 2013 veröffentliche Leserbrief von Karl-Wilhelm Looft aus Heide erkennen. Karl-Wilhelm Looft ist in dieser Hinsicht kein Unbekannter. Im Online-Archiv der rechtsnationalistischen Zeitung "Junge Freiheit" finden sich aus dem Jahre 2006 mehrere ausgeprägte Leserbriefe. Ebenso in der konservativen “Preußischen Allgemeinen Zeitung”.

Den Topos des rechtschaffenen Bürgers bedienend, sind für Herrn Looft die Initiatoren der Umbenennungs-Debatte "Müßiggänger, die wohl sonst nichts Ordentliches mit ihrer Zeit anzufangen wissen". Es folgt ein sehr allgemeiner Angriff auf Propst Dr. Crystall und "die Kirche", der von Unkenntnis, Unwahrheiten und Lügen strotzt:
"Aber warum mischt Propst Crystall mit? Warum mahnt unser Propst nur den Antisemitismus in der NS-Zeit an und will deswegen Gustav Frenssen aufarbeiten und nachholen, blendet aber 2000 Jahre Judenverfolgung von Kirche und Christen aus? Dabei hat sich Gustav Frenssen schon 1945 geläutert. Die Kirche hingegen hat bisher nichts zurückgenommen."
Propst Dr. Andreas Crystall schrieb seine Dissertation über Gustav Frenssen und veröffentlichte diese später als Buch. Seine Beteiligung an einer Informationsveranstaltung zu Frenssen ist daher alles andere als unverständlich. Schlimmer dagegen ist die Tatsachenverdrehung die ihr folgt. Herr Looft behauptet, die Kirche habe in Sachen christlichem Antijudaismus "bisher nichts zurückgenommen", auch nicht in Sachen Luther und dessen Pamphlet von 1543 ("Von den Juden und ihren Lügen"), während Gustav Frenssen sich im Jahr 1945 (seinem Todesjahr) davon (?) "geläutert" habe. Hier zeigt sich die realitätsverweigernde Resistenz des Autors, die nicht weiter belegt zu werden braucht.

In seinem Schlußplädoyer verharmlost Herr Looft schließlich sogar noch alle Dinge, für die Gustav Frenssen - und eigentlich auch der Nationalsozialismus insgesamt - zu verurteilen sind:
"Antisemitismus. Gab es den nicht schon immer? Euthanasie? Wird und wurde in vielen Staaten praktiziert! Und Rassengesetze? Die Zionisten gaben damals ihr Okay. Und man schaue heute nur nach Israel!"
Um Frenssen zu retten werden schließlich Antisemitismus, Euthanasie und Rassismus für allgemein üblich erklärt und verharmlost. Nach dieser Argumentation könnte man also eigentlich keinem Nationalsozialisten einen Vorwurf machen.
[Antisemitismus als rassistisch begründete Judenfeindschaft ist zudem erst ein Produkt des 19. und 20. Jahrhundert (Während der kirchliche Antijudaismus in der Regel über Jahrhunderte jüdisches Leben in Europa prinzipiell zuließ, strebte der Antisemitismus stets die "Auflösung" des Juden in seiner Eigenschaft als Juden an, sei es durch Auswanderung, durch extreme Anpassungsauflagen oder wenn dies - wegen ihrer nicht veränderbaren Eigenschaft als “unverbesserliche Rasseschädlinge" - schließlich für nicht möglich gehalten wurde: durch Auslöschung (3. Reich, Shoah/Holocaust)).
Euthanasie, bzw. der 100.000-fache Mord an Behinderten, Andersdenkenden, "Asozialen", ist in Deutschland außerhalb der Nazi-Zeit nie gesellschaftlich oder staatlich toleriert, praktiziert oder akzeptiert worden (Vor dem Hintergrund des biblischen Tötungsverbotes ist Sterbehilfe nur in sehr seltenen, bestimmten Fällen erlaubt).]

Dass man von Karl-Wilhelm Looft, der offen bekennt sich in den 50er und 60er Jahren für die "Freiheitspartei" des ehemaligen NSDAP und "Deutsche Reichspartei"-Mitglieds Prof. Heinrich Kunstmann engagiert zu haben, solches Schreiben erwarten kann, ist klar. Dass es die "Dithmarscher Landeszeitung" weder bei ihm noch bei Herrn Höer für bedenkenswert hielt, solche Hetze abzudrucken, ist dagegen schwer verständlich.

Das einzig gute daran mag sein, dass beide einmal mehr und wohl eher unfreiwillig bestätigen: Die Verteidigung Gustav Frenssen's ist und bleibt nur etwas für Rechte.

Montag, 8. Juli 2013

Leserbrief vom 9. August 2012 (Dithmarscher Landeszeitung)

Gustav-Frenssen-Strasse bleibt? 

"Wenn in Heide nun über die Umbenennung der Carl-Diem-Halle debattiert werden soll, die neben jener Schule (St.-Georg) liegt, deren ursprüngliche Benennung nach dem fanatisch-antisemitischen Schriftsteller Adolf Bartels bereits eine unrühmliche Geschichte hat, dann ist das gut so. Ebenfalls muß man sich aber auch fragen, wie lange Heide eine Gustav-Frenssen-Straße unkritisch (be)stehen lassen will? Daß Frenssen ab 1933 zum Propagandisten der Nazis wurde, 1940 in "Recht oder Unrecht - mein Land" die antisemitischen Verbrechen der Nazis rechtfertigte, in seiner "Lebenskunde" von 1942 den Mord nicht nur an Geistigbehinderten, sondern auch an anderen Volksfeinden forderte und dabei den Nationalsozialismus eine Herrschaft des Guten nannte, wiegt meiner Meinung nach zu schwer. Die jüngsten Mahnungen für die Opfer der Diktatur in anderen Heider Straßen ("Stolpersteine") erscheinen angesichts der jahrzehntelangen Ehre eines Straßennamens wie Hohn."

Florian Dunklau

Donnerstag, 11. April 2013

Ein Holocaust-Leugner und ein Alt-Nazi für Frenssen (1983)

Im Zusammenhang mit Berichten über die Umbenennung der Gustav-Frenssen-Straße in Heide veröffentlichte die "Dithmarscher Landeszeitung" 1983 eine ganze Reihe von Leserbriefen, in denen teils leidenschaftlich über die Person Frenssen und sein Werk gestritten wurde und in die sich auch ein bekannter rechtsextremer Autor einmischte (In der 2013/2014 öffentlich geführten Frenssen-Debatte fiel die Veröffentlichung von zwei offen antisemitischen Leserbriefen auf).

 

Nachdem Kreispräsident Gosau (CDU) Frenssen zuvor als "typisch" für "Land und Leute" bezeichnet und Zustimmung zur Idee der Gründung einer Gustav-Frenssen-Gesellschaft (ähnlich der [Friedrich-]Hebbel-Gesellschaft) geäußert hatte, protestierte die Schulgruppe der GEW am Schulzentrum Heide-Ost mit einem durch Bernd Müller verfaßten Leserbrief dagegen (DLZ vom 3. Mai 1983, Seite 12). Er zitierte dabei auch einen längeren Abschnitt aus Frenssens "Der Glaube der Nordmark" (1936):
"Ich will den christlichen Glauben, den ihr in Schule und Konfirmandenunterricht gelernt habt, Menschen der Nordmark, und den, der nach dem Willen Gottes von Blut und Boden, Wolken und Schicksal in der Welt, in der Tiefe unsrer Seelen lebt, einander gegenüberstellen. Wobei es mir nicht darauf ankommen soll, daß ich einen geraden Gang der Gedanken gehe, sondern daß ich alles und deutlich sage. [...] der christliche Glaube sagt: Jedes deutsche Kind muß an dem jüdischen Glaubensgut und an den jüdischen Helden und Patriarchen, von Abraham bis Johannes, seinen Glauben erleben und bilden. Der Glaube der Nordmark sagt: Jedes deutsche Kind muß an deutschem Glaubensgut und an deutschen Helden und Patriarchen, von Hermann dem Cherusker bis zu Goethe, Hindenburg und Hitler seinen Glauben erleben und bilden"
(Der Glaube der Nordmark (unbekanntes Jahr), S. 98ff.)
"Der Glaube der Nordmark" ist der Auflagenstärke nach die dritt-erfolgreichste Schrift Frenssens insgesamt (mind 350.000 Stück). Ein Grund für diesen Erfolg lag darin, daß es eine "gefällige Synthese" (Crystall, S. 463) verschiedener "deutschgläubiger Autoren" ist, unter ihnen u. a. Alfred Rosenbergs "Mythus des zwanzigsten Jahrhunderts" (Rosenberg galt als Chefredakteur des "Völkischen Beobachters" als DER Ideologe des Nazi-Regimes wurde späterer "Reichsminister für die besetzten Ostgebiete". Wegen "Verbrechens gegen die Menschlichkeit" wurde er in Nürnberg 1946 zum Tode verurteilt).
Frenssens Werk wurde in hohen Zahlen auch als Jugendweihegeschenk übergeben.

Ein Revisionist und Holocaustleugner bezieht Stellung

Im Rahmen eines weiteren Artikels in der DLZ ("Name der Gustav-Frenssen-Straße ist umstritten - SPD mit Antrag zur Straßenumbenennung in Heider Stadtverordnetenversammlung" (DLZ vom 15. September 1983)) meldete sich ein Otto Schwisow aus Rotenburg/Wümme mit einem Leserbrief zur Frenssen-Debatte zu Wort:
"Jedes Volk hat seinen Sozialismus! In welchem Land du immer geboren bist, da ist deine Heimat, und ihre Dichter, das sind auch deine Dichter! [...] Man sollte daher Geistesgut als 'Nationalgut' behandeln und weitergeben, statt es in Vergessenheit geraten zu lassen. Auch die Namen, die einst geehrt wurden, gehören dazu. Gustav Frenssen hatte zu seiner Zeit so großen Erfolg, weil er 'die Seele des Volkes' richtig erkannt hatte. Dieses bezog sich sogar auf seine Konsequenzen, die er als Pfarrer zog. Er hatte besonders mit seinem 'Glaube der Nordmark' seine Mitmenschen richtig beurteilt."
(DLZ vom 29. September 1983, Seite 11)
Während der Name Otto Schwisow den wenigsten etwas sagt, war er den Rechtsextremen jener Jahre nicht unbekannt: Im Orion-Heimreiter-Verlag mit Sitz in Heusenstamm bei Frankfurt/M. veröffentlichte der ehem. NSDAP-Ortsgruppenleiter in Hamburg-St.-Pauli (Mitglied seit 1925) und Krankenkassendirektor i. R. im Jahre 1978 unter dem Titel "Gegen Lügenpolitik und Geschichtsfälschung" eine geschichtsrevisionistische Schrift, in der er u. a. den französischen Holocaust-Leugner Paul Rassinier zitiert, der die Funktion der Gaskammern zum Zwecke des millionenfachen Mordes - und damit den Holocaust (die Shoa) leugnete (Dies ist in Deutschland erst seit 1985 ein Straftatbestand). Zudem stellt Schwisow den Krieg der Wehrmacht gegen die Sowjetunion als einen Präventivkrieg dar.
Durch die Formel "Jedes Volk hat seinen Sozialismus!" in dem Leserbrief, deutete Schwisow seine politische Überzeugung mehr als an (= National-Sozialismus).
Der Orion-Heimreiter-Verlag gehört heute zur "Lesen & Schenken Verlagsauslieferung und Versandgesellschaft mbH" des Rechtsextremisten Dietmar Munier, zu der auch der ARNDT-Verlag gehört, laut Verfassungsschutzbericht des Landes Schleswig-Holstein 2008 einer der "bekanntesten Verlage des rechtsextremistischen Spektrums."
Mit Otto Schwisow, der zudem Mitglied der Theodor-Storm- und der Friedrich-Hebbel-Gesellschaft war, nahm 1983 also ein einschlägig rechtsextremer Autor für Frenssen und insbesondere für den "Glauben der Nordmark" Stellung.

Kein Amt - keine Verantwortung.

Die konservativen Politiker noch der 1980er Jahre verfolgten dagegen offensichtlich die Idee vom "Doppelten Frenssen", dem gutmütigen, harmlosen Heimatdichter auf der einen und dem nationalsozialistischen Mitläufer auf der anderen Seite, mit der Konsequenz: "Ehre dem Dichter Frenssen, Vergessen dem Antisemiten Frenssen." Nicht anders hatten Jahre zuvor die Adolf-Bartels-Befürworter in Wesselburen argumentiert.
Die Rechtfertigungen für dieses Vergessenmachen der Folgen, die Frenssens Publizistik der Jahre 1933 bis 1945 befördert und unterstützt hatte, sind aus den Begründungen des Beschlusses des CDU geführten Heider Magistrats aus dem Januar 1984 zu entnehmen. Folgende Stichworte lassen sich nennen (Zitiert nach DLZ vom 14. Januar 1984):

1. "Kein Wegbereiter des Nationalsozialismus"
2. "Während der Zeit von 1933 bis 1945 für das parteipolitische Geschehen keine Rolle gespielt"
3. "Überwiegend Heimatdichter"
4. "Zeitgenossen hätten ihn als selbstlosen und warmherzigen Mann charakterisiert, der stets ein
offenes Ohr für die Sorgen anderer gehabt habe."
5. "Mitläufer" mit "geringer politischer Bedeutung"

So wogen die mehr oder minder stimmigen Tatsachen, daß er nicht zu den Wegbereitern des Nationalsozialismus gehört hatte, daß er auch nicht Mitglied der NSDAP kein offizielles Amt inne gehabt hatte und sich in Barlt "selbstlos und warmherzig" verhalten habe, seine umfangreiche Propaganda-Tätigkeit im Dritten Reich für Hitler, den Nationalsozialismus und für die Ermordung hunderttausender Menschen fast mit Leichtigkeit auf.
Daß Frenssen überwiegend Heimatdichter gewesen sei ist angesichts der Auflagenstärke und der politischen Dimension auch seines früheren Werkes (etwa während der Ersten Weltkrieges (1914-18) und schon davor in "Peter Moors Feindfahrt nach Südwest" (1906)) zu bestreiten.
Frenssens Rechtfertigung nationalsozialistischer Politik und zuweilen seine über das Handeln des Regimes weit hinausgehenden Forderungen sind zudem, gänzlich unabhängig von Parteizugehörigkeit und Amt, Zeichen von Menschenverachtung und Übereinstimmung mit dem Nationalsozialismus.

Ein Alt-Nazi als Kronzeuge: Hans Beeck

Hans Beeck steuerte in seinen 1969 im (rechtsextremen) Türmer-Verlag erschienen Erinnerungen "Mein Begegnen mit Gustav Frenssen" noch die völlig unkritische und unpolitische Betrachtung über die Person Frenssen in seinem heimatlich-dörflichem Umfeld bei, und verteidigt Frenssen u.a. mit den Worten,

"er habe sich so mutig und furchtlos der sogenannten kleinen Leute [angenommen]".    (S. 6).

"Wir dürfen über Gustav Frenssen und sein Werk nicht achtlos hinweg gehen. Er hat uns viel zu sagen. Versuchen wir es mit irgend einem [sic!] seiner Bücher. Wir werden erstaunt sein über die Kraft seines Erkennens und über seine überragende Menschlichkeit [sic!]. Sie gelten nicht nur für die damalige Zeit seines Wirkens. Sie gelten in gleichem Maße auch für heute [sic!]." (S. 9)
"Immer hat er es aus ehrlichem, aufrichtigem Herzen getan, nie aus geldlichen Beweggründen. Und, wie schon gesagt, stets für die arbeitenden Schichten der Bevölkerung, die selbst keine Aussage über die sie bedrängenden Probleme machen konnten. [...] Menschen, die mit ihrer Not nicht fertig werden konnten, kamen von weither, sich Hilfe, Kraft und Trost bei ihm zu holen." (S. 10)

Beeck verharmlost Frenssen, wo er auch seine Rolle verhamlosen könnte: Seit 1925 Mitglied der NSDAP, war er Mitglied des nach 1934 nur noch pro forma existierenden nationalsozialistischen Reichstags und ebenso bis 1945 NS-Kreisbauernführer in Dithmarschen. Er zeichnet auch verantwortlich für Frenssens Begräbnisstätte auf dem Wodansberg bei Windbergen, die er einrichten ließ, "damit nationalsozialistische Trauerfälle sich von christlichen Einflüssen emanzipieren" könnten (Crystall, S. 491).
In Beeck, der Frenssen persönlich seit 1920 kannte, dürfte man wegen seines Buches und seiner Prominenz in Dithmarschen den wichtigste jener "Zeitgenossen" erkennen, auf die man sich beim Beschluss des Jahres 1984 berufen hätte können.
Im schon vor 1933 vom Nationalsozialismus tief durchdrungenen Land an der Westküste wären so auch Jahrzehnte nach 1945 u. a. die herzlichen Worte einer - im Gegensatz zu Frenssen - "parteipolitisch" bedeutenden ehem. regionalen nationalsozialistischen Führungsgestalt hilfreich gewesen, Frenssen ein gutes Leumundszeugnis zu verschaffen. 
Nicht anders sogar in Hamburg, wo die CDU, damals vielfach auch noch Geisel von alten Männern mit vormals tiefbrauner Vergangenheit, Frenssen wörtlich einen "Kämpfer für ein gesünderes, gerechteres und kraftwilligeres Deutschland" nennen konnte (Töteberg, S. 191). 
Daß dadurch letztlich das ehrliche Bemühen zunichte gemacht wurde, Frenssens Wirken über Barlt und Dithmarschen hinaus ernsthaft kritisch zu betrachten, liegt auf der Hand. Denn wer kann noch an Frenssens kaltherzige Worte denken, wenn man sich nur an den "warmherzigen Dichter", erinnern will?

Frenssen und die neuen Rechten

Während es nach 1945 nur wenige und bescheidene Versuche gab Frenssens Werke nachzudrucken ("Jörn Uhl" bei Lühr & Dircks St.-Peter-Ording, 1982 (3000 Exemplare)), haben seine propagandistischen Werke, von denen offensichtlich keines - trotz vielfach volksverhetzender Inhalte - indiziert ist, das Interesse von Rechtsextremen geweckt. Während es die völkisch-germanische Theologie "Glaube der Nordmark" wegen seiner hohen Auflage noch als Originalausgabe für oft nicht einmal 1 € - etwa bei Amazon.de (Marketplace) - zu kaufen gibt, ist insbesondere für die nationalsozialistische Propagandaschrift "Recht oder Unrecht" vermutlich eine Nachfrage vorhanden, die größer als das antiquarische Angebot ist. So kann man nämlich das 'Machwerk', das - wie "Mein Kampf" erst Ende 2015 gemeinfrei wird, als Papierkopie bei einem "national" eingestellt Online-Shop erwerben. [Eine Verlinkung unterbleibt hier aus verständlichen Gründen. Der Leser forsche ("google") selbst nach.]

Schluss

Frenssen selbst hat sich noch in seinen letzten Werken bemüht seine Überzeugung vom Nationalsozialismus bis in die frühen 1920er Jahre - seine demokratische Phase - zurückzudatieren und sich noch mehr dem System anzubiedern (Vgl. Crystall, S. 481, Fn. 222). Es hieße ähnlich geschichtsvergessen und manipulativ zu argumentieren, würde man ignorieren, daß die Lebensgeschichte des Barlter Tischlerssohn von Brüchen und Übergängen gekennzeichnet ist, die bis zu einem gewissen Grad ein Exempel der gesellschaftlichen Entwicklung jener Jahrzehnte wiedergeben.
Wie das Frenssen-Haus in Barlt zeigt, ist es keineswegs unmöglich, die Beschäftigung mit dem Werk des Schriftstellers Frenssen fortzuführen ohne dessen dunkelsten Seiten seines Lebens unter den Teppich zu kehren. Pastor Dietrich Stein, derzeitig verantwortlich für Führungen im Haus, schrieb allerdings im Vorwort des 1997 erschienen Sammelbandes auch: "Gustav Frenssen ist kein Mann für Straßenbenennungen".

Literatur/Quellen:
- : "Name der Gustav-Frenssen-Straße ist umstritten", in: "Dithmarscher Landeszeitung" vom 15. September 1983, Seite 10.
- : "Gustav-Frenssen-Straße wird nicht umbenannt", in: "Dithmarscher Landeszeitung" vom 14. Januar 1984, Seite 10.
Hans Beeck: "Mein Begegnen mit Gustav Frenssen", Türmer-Verlag, München 1969.
Andreas Crystall: "Gustav Frenssen - Sein Weg vom Kulturprotestantismus zum Nationalsozialismus", Chr. Kaiser Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2002.
Kay Dohnke/Dietrich Stein (Hrsg.): Gustav Frenssen in seiner Zeit, Boyens & Co Verlag, Heide 1997.
Bernd Müller: "Über Gustav Frenssen" (Leserbrief), in: "Dithmarscher Landeszeitung" vom 3. Mai 1983, Seite 12.
Otto Schwisow: "Gegen Lügenpolitik und Geschichtsfälschung", Orion-Heimreiter-Verlag, Heusenstamm 1978.
Ders.: "Einst geehrt" (Leserbrief), in: "Dithmarscher Landeszeitung" vom 29. September 1983, Seite 11.
Michael Töteberg: "Sorry, Arno Schmidt! Ein kritisches Nachwort zum Frenssen-Funkessay - 25 Jahre später.", in: "Jahrbuch der Gesellschaft der Arno-Schmidt Leser", Nr. 8 (1990), S. 189-206.